Schwarzenbach


Bohnen:

  • Diverse Hausmischungen, z.B. Espressomischung „Italienische Röstung“, 100% Arabica aus Zentral- und Südamerika.
  • Diverse Single-Origins, z.B. Jamaica Blue Mountain 1st Grade, Puerto Rico Fino AA ´Yauco Selecto´ oder Ecuador Galápagos

Röster: Schwarzenbach Kolonialwaren Kaffeerösterei, Zürich

Maschine: Dalla Corte Evolution (Siebträger)

Wo: Münstergasse 19, Zürich

Bericht:

Seit über 140 Jahren gehört das Kolonialwarengeschäft und die Kaffeerösterei Schwarzenbach zum kulinarischen Inventar von Zürich. Auf der Homepage heisst es sogar, dass man sich beim Betreten des dazugehörenden TeeCafés in die „gute alte Zeit“ zurückversetzt fühlt und tatsächlich sehe ich mich von Gästen umgeben die allesamt meine Grosseltern sein könnten. Diese scheinen alle einfach die altbekannte „Schale“ zu geniessen und sich nicht viel Gedanken über das spezialisierte Kaffeesortiment zu machen. Während  meinem Aufenthalt verjüngt sich die Kundschaft zwar zunehmend, doch irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass das „gute alte“ Schwarzenbach den jüngeren Kaffeetrinkern nicht im gleichen Stil zu gefallen vermag wie das naheliegende, moderne Henrici. Aber eine allzu grosse Zielgruppe kann man sich im traditionellen Familienunternehmen auch gar nicht leisten, denn Plätze hat es nur wenige und so brauchte auch ich zwei Anläufe um einen freien Tisch zu erwischen. Sehr willkommen fühlten sich meine Begleitung und ich jedoch nicht, denn empfangen wurden wir von einem genervten Blick anstelle eines freundlichen Hallos, was ich einmal frei als unerwünschte Arbeit interpretiere. Somit wäre auch schon das Negative unseres Besuches abgehandelt, denn die Bedienung liess anfangs deutlich zu Wünschen übrig. Die Karte lässt dann jedoch das Herzen eines jeden Kaffeeliebhabers höher schlagen: Mehrere Hausmischungen stehen zur Auswahl, immer mit einer kurzen Beschreibung was einen dabei erwartet und für welche Getränke sie sich eignen. Zudem gibt es einige der im Shop erhältlichen „Premium Kaffees“  (Single-Origins) für jeweils nur einen minimalen Preisaufschlag zur Verkostung. Auf der Karte wird ebenfalls erklärt, mit welcher Sorgfalt ein Kaffee im Schwarzenbach zubereitet wird und für jene die es genau  wissen wollen, wird sogar noch auf die ca. 9 bar Pumpendruck der Maschine und die (eher tief angesetzten) ca. 20 Sekunden Extraktionszeit des Espressos verwiesen. Sogar die Wasserqualität wird thematisiert und offengelegt. Dieses Mitteilungsbedürfnis ist extrem vorbildlich und eigentlich einmalig in Zürich. Ich beginne also einmal mit der „Italienischen Röstung“, die als kräftig angepriesen wird und „der perfekte Kaffee für Espresso-Getränke“ sein soll. Leider werden die versprochenen 20 Sekunden nicht eingehalten und deutlich unterschritten, was in einem optisch hellen und geschmacklich sanften Espresso resultiert. Die fehlende Intensität ist zwar der einzige Mangel des sonst angenehm ausgewogenen Kaffees, aber leider ein entscheidender, denn eine „kräftige“ Mischung sollte halt eben nicht durch das pure Gegenteil auffallen. Der Cappuccino neben mir sieht jedoch sehr schön aus; Latte Art inklusive, Schokoladenpulver exklusive. Wenn man sich die perfekte Ausrüstung im Schwarzenbach anschaut und an die eigene Röstmaschine im Raum nebenan denkt, fällt es schwer an einen konstant unterextrahierten Espresso zu glauben, weshalb ich mir eine zweite Portion gönne, diesmal ein „Fino AA Yauco Selecto“ aus Puerto Rico, zubereitet von einem anderen Barista. Und siehe da, der Kaffee fliesst mit beinahe perfekter Ruhe in die Tasse und es offenbart sich ein intensiver Espresso, der sich wie beschrieben durch ein Wechselbad von fruchtigen Säuren und dunkleren Noten wie Schokolade auszeichnet. Da zeigt sich wieder einmal wie wichtig der Faktor Mensch in der Zubereitung ist, denn ein unsorgfältig arbeitender Barista kann leider auch aus den besten Bohnen und mit Hilfe der besten Maschine einen mittelmässigen Kaffee zaubern. So verlasse ich das Schwarzenbach also anstelle des berühmten ersten- mit dem bleibenden letzten Eindruck und gebe dieser kleinen Kaffeeoase 5 Zürich-Bohnen.

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