Zurich is boring, boring, boring…

Nein, ich habe überhaupt nichts gegen Zürich, im Gegenteil. Zürich ist definitiv eine der schönsten Städte der Welt, sonst würde ich ja auch nicht über die Limmatstadt schreiben. Zudem sind das ja auch nicht meine Worte, sondern angeblich jene von FIFA Präsident Sepp Blatter vor etwa zwei Jahren. Aber trotzdem hallen diese Worte wie ein Echo immer wieder mal in meinem Kopf nach, wenn ich in grösseren Weltmetropolen zu besuch war. Keineswegs bedaure ich, dass Zürich noch nicht vollkommen zur kommerziellen Kopie von New York, London oder Berlin geworden ist – auch wenn die Bahnhofstrasse auf bestem Weg dazu ist. Was mich aber tatsächlich langweilt ist der Mangel an Innovation. Kaffee-bezogen. Nicht einmal Innovation im Sinne von Invention, aber zumindest im Sinne von Fortschritt gegenüber dem was bereits seit Jahrzehnten besteht. Meistens hinken wir etwas hinterher und beobachten neue Konzepte gerne erst einmal bezüglich deren Erfolg im Ausland. Aktuell wurden in Zürich gerade Lokale eröffnet spezialisiert auf Bubble-Tea und Frozen Yogurt, wofür man in Berlin höchstens noch ein müdes Gähnen übrig hätte. Und wie sieht es aus mit Cafés? Nun, die Schweiz exportiert zwar mehr Kaffee als Schokolade, Starbucks hat in Zürich die grösste Dichte Europas, und die Chance einen trinkbaren Kaffee in jedem beliebigen Lokal zu erhalten scheint mir immer noch deutlich grösser als in vielen anderen Städten, aber an der Spitze ist Zürich alles andere als eine Weltstadt. Dies soll in keiner Weise ein direkter Angriff auf die vielen engagierten Unternehmer sein, denn es gibt ja viele belebende Elemente. Wir haben viele Kleinröstereien, in der Sport Bar steht eine der technologisch fortschrittlichsten Kaffeemaschinen die es momentan überhaupt gibt, diverse Lokale bieten Single-Origin Kaffee an, und im Henrici gibt es sogar Filterkaffee. Aber keine dieser Aspekte vereinen sich zu einem kompletten Café der modernsten Generation, und jene welche nahe dran sind, wirken mangels Konkurrenz derart innovativ, dass man sich als Kaffeefan schnell einmal im Paradies fühlt, jedoch mit dem unguten Gefühl, dass es anderswo noch paradiesischer zu und her geht. Nicht dass etwas falsch wäre an einer einfachen, unkomplizierten Tasse Espresso. Aber während in anderen Metropolen Bohnen mangels Spitzenröster einfach schnell aus der nächsten Grossstadt importiert werden, passionierte Baristi etwas über ihren Kaffee erzählen können, wie Chemielaboranten mit Waage und Temperaturfühler hinter Vakuum-Brühern Extrakte in die Tassen zaubern und mit Filterverfahren wie der Aeropress oder Handaufguss delikate Aromen aus reinen Plantagenkaffees kitzeln, hinkt man hier wie gewohnt gelassen hinterher und begnügt sich grösstenteils zufrieden mit der Tatsache, dass man seine Bohnen beim lokalen Kleinröster gekauft hat. Ja, Zürich ist kleiner, und natürlich, solche Lokale findet man auch in London und New York nicht an jeder Strassenecke. Aber in einer Zeit die von Schnelllebigkeit geprägt ist und jeder Caféinhaber sich eine Reise zur Horizonterweiterung ins nahegelegene Ausland leisten kann, scheint Zürich dem Anspruch eine kleine Weltstadt zu sein diesbezüglich nicht wirklich gerecht zu werden. Meine Absicht im Coffee-Guide war es immer positive Beispiele zu loben, aber auch das ist eine Form von Kritik, nämlich für alle nicht erwähnten. Und als Kaffeekritiker, wie auch als Kaffeeliebhaber, wäre es viel spannender, es gäbe durch vermehrte Konkurrenz an der Spitze auch Anlass die wenigen Top-Lokale zu kritisieren, um noch mehr Fortschritt zu fördern. So bleibt nur das etwas langweilige Loben von durchaus innovativen, aber eben nicht superlativen Ideen. Also liebe Gastronomen: Wer wagt gewinnt! Stillstand ist Rückschritt! Et cetera, et cetera…

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