Grande


Bohnen:

  • Single-Origin Kaffee aus Boyacá, Kolumbien. Farm: „Angel Maria Piñeros“. Varietät: Typica (Arabica). Aufbereitung: washed.

Röster: G. Henauers Sohn AG (Henauer Kaffee), Höri

Maschine: La Marzocco GB/5 (Siebträger)

Wo: Limmatquai 118

Bericht:

Wo gibt es den besten Kaffee? Wenn man den Werbeversprechen glauben könnte, so mancherorts. So warb zum Beispiel das Belcafé eine Weile mit dem besten Espresso der Stadt, und bei Starbucks verspricht man auf grossen Plakaten das perfekte Kaffeegetränk. Sogar in einer kleinen Bar im Seefeld mit Vollautomaten habe ich schon das Versprechen eines Espressos der Superlative auf der Kreidetafel gefunden. Das tatsächliche Erlebnis lässt dann aber meistens zu Wünschen übrig. Nun wird man auch im neuen Grande am Limmatquai von einem ähnlichen Versprechen empfangen. Grund für Skepsis? Nicht lange. Denn wer von den schicken Baristi und der immer mehr verbreiteten La Marzocco Maschine noch nicht überzeugt wird, dürfte spätestens beim ersten Schluck Espresso merken: Hier geht tatsächlich was! Natürlich bleibt die Frage nach dem besten Kaffee nur bedingt objektivierbar, aber hier wird auf jeden Fall klar, dass man den Kunden für voll nimmt und nicht einfach mit leeren Worten um sich geworfen wird. Das Lokal ist etwas auf retro-rustikal getrimmt, wie es sich zur Zeit so gehört, aber das weisse Holz der langen Bartheke harmoniert perfekt mit der Lage an der Limmat. Die Baristi sind einheitlich mit Hemd, Schürze und Krawatte/Fliege eingekleidet, was eine gewisse Kompetenz ausstrahlt. Diese bestätigt sich dann auch sogleich im Praxistest: frisch gemahlener Kaffee, sauber getamped, auf den Punkt extrahiert, und schon steht der Espresso mit eher dunklen Crema auf dem Tisch. Der interessanteste Teil folgt aber zum Schluss. Hier wird nämlich ein Single-Origin Espresso serviert, und zwar nicht nur als Extra für ein paar interessierte Kaffeefans, sondern als Standard-Espresso. Wahre Pionierarbeit. Besonders deshalb weil der Kaffee auch ausführlich auf einer Tafel deklariert wird: Herkunftsland, Bohnenvarietät, Region, bis zum Namen des Farmers. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Tafel ziemlich versteckt ist und für die meisten Gäste unentdeckt bleiben dürfte. Geschmacklich überzeugt dieser kolumbianische Kaffee durch einen kräftigen Körper gepaart mit einer nicht überwiegenden, aber doch angenehmen Säure. Interessant dürfte es sein zu beobachten, ob derselbe Single-Origin über das ganze Jahr hindurch serviert wird – und wenn ja, inwiefern die Qualität saisonal schwankt – oder ob auf saisonale Kaffees gesetzt wird. Zudem bleibt abzuwarten, wie die Gäste in beiden Fällen auf mögliche Veränderungen reagieren. Aber für den Mut zum Versuch kann man das Grande nur loben. 5 Zürich-Bohnen für die junge Bar, die selbst mit dezenter Hip-Hop Geräuschkulisse eine demographisch durchmischte Kundschaft zu überzeugen scheint.

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