Milchalternativen in Zürich im Test

milkheader

Nun gut, Milch ist also nicht so unschuldig wie ihre Farbe vermuten lässt. Und heute ist einer dieser Tage an denen ein delikater Filterkaffee oder ein kräftiger Schluck Espresso nicht die gewünschte Befriedigung bringt, kurz, Sie spüren ein Verlangen nach dieser Mischung aus cremigem Weiss und sanftem Kaffeearoma. Wenn es trotzdem keine Milch sein soll oder gar darf, dann sind Sie in erster Linie einmal darauf angewiesen, dass Ihr Lieblingscafé eine Alternative überhaupt im Angebot hat. Wie meine Recherche ergabt, ist dies jedoch mittlerweile kaum mehr ein grosses Problem, denn viele gute Lokale in Zürich haben dieses Kundenbedürfnis erkannt, auch wenn dies auf der Karte nicht immer ersichtlich ist. Um gleich zur Sache zu kommen: Die Alternativen heissen unter Anderem „Sojamilch“, „Hafermilch“, oder „Reismilch“. Und nein, Sojamilch schmeckt in der Tat nicht genau wie Kuhmilch, und ja, Reis und Kaffee geht überraschenderweise tatsächlich. hafer_henriciWenn diese Alternativen für Sie kulinarisches Neuland sind, ist es durchaus von Wichtigkeit die Erwartung an das aufgetischte Getränk entsprechend anzupassen. Wer nach dem ersten Schluck zum Fazit kommt, dass der Cappuccino nicht genau so wie sonst schmeckt und man diese Alternative deshalb nicht mag, der lässt es am besten gleich bleiben. Wer hingegen bereit ist eine neue Geschmackskombination kennen zu lernen, ist wahrscheinlich ziemlich überrascht was unter gewissen Voraussetzungen für interessante Getränke entstehen können. Diese Voraussetzungen entsprechen in etwa dem, was für jedes positive Kaffeeerlebnis massgebend ist, nämlich ein guter Barista, sowie die passenden Zutaten. Jeder Milchtrinker der schonmal einen Cappuccino mit überhitzter Milch getrunken hat, wird mir zustimmen, dass man auch bei normaler Milch bessere und schlechtere Erlebnisse haben kann und sich das Einkehren in einem Lokal mit passioniertem Personal doppelt lohnt. Aus eigenen Versuchen wage ich die Behauptung aufzustellen, dass bei Sojamilch und Co. die Auswahl des passenden Kaffees fast noch etwas wichtiger ist, da diese mehr Eigengeschmack haben als Kuhmilch und deshalb nicht mit jedem Kaffee gleich gut harmonieren. Generell glaube ich bis anhin beobachtet zu haben, dass milde, fruchtige Kaffees besser passen als erdige Kaffees, da die leichte Getreidenote vieler Milchalternativen bereits schon für letztere Komponente sorgen. Weiter gilt es zu beachten, dass nicht alle Alternativen einen ebenso cremigen Schaum erzeugen können wie man es von der Milch kennt, da dies vom Proteingehalt abhängig ist und dieser deutlich variiert. Während Kuhmilch ca. im Bereich von 3g Protein pro 100ml liegt, weist Sojamilch sogar einen höheren Gehalt auf (rund 4g). Getreide- und Reismilch liegt deutlich tiefer und ist deshalb oft nicht erste Wahl. soja_cakefriendsDass man aber auch mit Hafermilch einen optisch ansprechenden Cappuccino zaubern kann, beweist das Foto aus dem Henrici. Ich habe mich also schlau gemacht wo es in Zürich überall Milchalternativen gibt und dann so viele Cappuccino getestet, bis ich glaubte, eine repräsentative Auswahl an Sorten und Marken abgedeckt zu haben. In den meisten Lokalen heisst die Alternative ganz einfach Sojamilch, und zwar von der Zürcher Firma Soyana. Diese findet man in verschiedenen Ausführungen – Nature (Soja und Wasser, ohne jegliche Zusätze), Original (gesüsst), mit Mandel gemischt, oder mit Calcium versehen (ebenfalls etwas süsser). Andere Lokale servieren Sojamilch aus dem Coop, der Migros, oder der Marken Alpro und Provamel. Zudem probierte ich Cappuccino mit Reismilch und Hafermilch, beide von Soyana. Getreidemilch und Reismilch hat von Natur aus einen süsslicheren Geschmack, was sich im Getränk bemerkbar macht und für jene die Zucker in den Kaffee schütten diesen hinfällig machen dürfte. reis_miyukoDa wir sowieso gerade aromatisches Neuland betreten und weniger auf den eigentlichen Kaffee aus sind, weise ich auch noch auf die Existenz aromatisierter Produkte wie etwa Soja-Vanille Milch hin, welche zwar in der Gastronomie kaum Relevanz haben, aber z.B. zu Hause einem laktoseintoleranten Gast ein Lächeln aufs Gesicht zaubern werden. Fazit: Die getesteten Getränke unterscheiden sich geschmacklich je nach dem stark, weshalb man unbedingt mehrere Varianten probieren sollte, bevor man sich eine endgültige Meinung bildet. Wer so nahe wie möglich an Kuhmilch herankommen möchte, setzt am besten auf neutrale oder leicht gesüsste Sojamilch. Wem es auch ungewohnt anders schmecken darf – wer hat überhaupt Kuhmilch zum unbestrittenen Kaffeepartner erkoren? Geschmäcker sind schlussendlich erlernt – dem empfehle ich unbedingt einmal einen Hafermilch Cappuccino im Henrici zu trinken, oder einen Reismilch Cappuccino im Miyuko. Beide Alternativen geben dem Kaffee eine süssliche Note und obwohl vor allem bei der Reismilch das Kaffeearoma deutlich vom Geschmack von geröstetem Reis überdeckt wird, harmonieren die Komponenten überraschend gut. Schönes Detail bei letzterem Lokal: Das dem Kaffee beigelegte, hausgemachte Cookie ist als „vegan“ deklariert und somit für laktoseintolerante Gäste nicht nur Dekoration. Den für meinen Geschmack beste Soja Cappuccino habe ich übrigens im Cakefriends getrunken. Aber probieren Sie es doch selbst. Jetzt haben Sie wieder einmal einen Grund einige vielleicht schon lange nicht mehr besuchte Lokale zu erkunden, und können sich erst noch ohne schlechtes Gewissen dem Kaffeekonsum hingeben.

Getestete Cappuccino:

Babu’s Bakery & CoffeehouseSojamilch (Soyana „Original“)

„Ein optisch ansprechender Cappuccino, bei dem man fast schon von einem clever angewendeten Trick sprechen könnte, wäre Schokoladenpulver auf dem Cappuccino nicht in vielen Lokalen die Normalität: Die Schokolade die (zum Glück) dezent auf dem äusseren Ring des Milchschaumes punktuell verteilt ist, weist einen sehr herben Geschmack auf (was ich bei Schokolade mag) und lenkt dadurch geschickt von der ähnlichen Charakteristik der Sojamilch ab. Die Schokolade stellt sich sozusagen schützend vor die Milch und steckt die ganze Kritik ein. Eine durchaus gelungene Kombination sofern einen die Schokoladennote im Kaffee nicht stört.“

Café NoirSojamilch (Provamel „Natural“, ungesüsst)

„Eines der wenigen Lokale wo nicht Soyana ausgeschenkt wird. Auch hier ein guter Soja Cappuccino, der von dieser typischen Sojanote begleitet wird, aber mit dem Kaffee harmoniert. Bei guter Zubereitung sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Sojamilchtypen/Marken wirklich schwer auszumachen – ausser man würde sie natürlich im Direktvergleich degustieren.“

CakefriendsSojamilch (Coop „Sojasun Nature“, ungesüsst)

„Vielleicht war’s ein Glückstreffer, vielleicht liegt’s am Quellwasser und den nur gerade 7% Sojaanteil in der Milch (vgl. 18% bei Soyana), aber dieser Cappuccino hat mich geschmacklich von allen Soja-Versionen am meisten überzeugt. Kaum Soyanote und gute Konsistenz. Dass hier eine ähnliche Kaffeemischung wie im Henrici verwendet wird, wo der Soja Cappuccino auch sehr gut war, spricht für eine gute Eignung dieses Rast Kaffees für Sojagetränke.“

HenriciSojamilch (Soyana „Nature“), Hafermilch (Soyana)

„Eigentlich überrascht es ja nicht, aber im Henrici macht der gewohnt hohe Standard auch bei den Milchalternativen nicht halt. Hier wurden mir die in ihrer Ganzheit wohl perfektesten Getränke serviert. Den süsslichen Hafermilch Cappuccino habe ich bestimmt nicht zum letzten Mal getrunken. Unter der schönen Latte Art wird dann zwar doch noch ersichtlich, dass auch Profis nichts an den strukturellen Grenzen der Hafermilch ändern können, die Kaffee-Milch Mischung bleibt deutlich dünnflüssiger als man es von normaler Milch kennt, aber dem Geschmack kann dies nichts anhaben. Der Soja-Cappuccino hatte die etwas klassischere Milchkonsistenz und entsprach den geschmacklichen Erwartungen von ungesüsster Sojamilch, das heisst, die leicht herbe Sojanote erinnert dezent daran, dass das Auge getäuscht wird.“

Miyuko — Reismilch (Soyana „Basmati-Vollreis PLUS Calcium“)
nicht getestet: Sojamilch (Migros „Soja Line Drink Calcium“, gesüsst)

„An dieses Getränk setzte ich mich nicht ganz ohne Vorurteile, denn aus Selbstversuchen glaubte ich zu wissen, dass Reismilch und Kaffee schlicht und einfach nicht gut harmonieren. Nun weiss ich es besser. Während ich beim Trinken vor lauter Überraschung noch daran herum studiere, wie die dominante Reisnote am besten zu beschreiben ist (irgendwie „asiatisch“, „geröstet“?), sehe ich auch gerne über die Tatsache hinweg, dass auch Reismilch nicht gerade ein Freund der Milchlanze ist und der Cappuccino optisch als auch in seiner Konsistenz als Getränk nicht ganz so viel hergibt wie es einige Sojagetränke vermochten. Das Geschmacksgeheimnis scheint übrigens in der Reismilch zu liegen, statt normalem Reis steckt hier Basmati drin!“

Starbucks — Sojamilch (Alpro Original)

„Starbucks war eines der ersten Lokale, wo Sojamilch eine Option war, und mittlerweile gibt es selbst die beliebten Frappuccinos in dieser Alternativausführung. Beim „normalen“ Cappuccino, ganz ohne süsse Extras, in der kleinsten Tassengrösse, trifft man auf ungewohnt dominanten Kaffeegeschmack, der in den grossen Tassen oft von der vielen Milch und den Aromasirups neutralisiert wird. Wer die sehr dunklen, herben Kaffeenoten von Starbucks mag, kann sich auch mit diesem Cappuccino anfreunden, aber nimmt das Getränk vielleicht besser gleich mit, denn eine Augenweide ist dieser Cappuccino in der Tasse leider nicht. Ich bleibe beim To-Go-Tall-Soja-Green-Tea-Latte.“

Tibits NZZ Bistro — Soja-Mandelmilch (Soyana)

„Von der Soja-Mandelmilch habe ich eigentlich einiges Erwartet, denn ich glaubte schon einmal so einen getrunken zu haben, bei dem ich keinen Unterschied zu normaler Milch bemerkte. Vielleicht liegt das daran, dass es tatsächlich solche gewesen war. Wer weiss. Vielleicht ist auch die Barista Konstanz nicht ganz so hoch bei diesem nicht auf Kaffee spezialisierten Lokal, auf jeden Fall war der getrunkene Cappuccino leider eher etwas enttäuschend. Während der nüchterne Schaum noch angenehm neutral schmeckte, war die Harmonie beim mit Kaffee durchmischten Teil dann leider vorbei und eine leichte Bitternote machte sich bemerkbar. Vielleicht gibt’s beim nächsten Essen noch mal eine Chance, denn alle guten Dinge sind ja bekanntlich drei.“

Weitere ausgewählte Lokale mit Milchalternativen:

Café des Amis — Sojamilch (Soyana)
Kafi für DichSojamilch (Soyana)
KafischnapsSoja-Mandelmilch (Soyana)
SchwarzenbachSojamilch (Soyana)
Z am ParkSojamilch (Soyana)

5 thoughts on “Milchalternativen in Zürich im Test

  1. Danke für deine umfassende Soja-Latte-Testung in Zürich. Leider verwenden viele Kaffees die Sojamilch von Soyana, welche ich eher als unterdurchschnittlich empfinde. Im Roots in Zürich verwenden sie die Alpro Soja for Professionals. Die wurde speziell für „Milchkaffes“ entwickelt und sie schmeckt wirklich wie normale Milch. Es wäre sehr zu wünschen, wenn ein paar der Kafis auf eine „feinere“ Sojamilch umsteigen würden. Das gleich gilt auch für Hafermilch, hier finde ich die wow no cow auf Schweden superfein (gibts bei uns im Allnatura).

    • Liebe Tina
      Tatsächlich ist dieser Test bereits schon etwas in die Jahre gekommen, aber schön wenn er nach wie vor zur Auseinandersetzung mit der Thematik anregt. Die von Dir favorisierte Alpro for Professionals ist relativ neu auf dem Schweizer Markt (bzw. nur via Import erhältlich), wird mittlerweile auch von Starbucks verwendet (anstelle der Alpro Original) und hier ist mein Insider Tipp für Dich: Die Milchbar am Paradeplatz hat sie ebenfalls, kombiniert mit einem der vermutlich besten Kaffees der Stadt – ohne Aufpreis! Oatly (Hafermilch „wow no cow“) hat ebenfalls eine Barista-Linie entwickelt, aber auch diese ist leider zur Zeit noch nicht erhältlich in der Schweiz.

  2. Ich persönlich finde das Mandelmilch als Ersatz besser schmeckt (wenn man/frau kein Nussallergiker ist). Die Cremigkeit und die dezente Süsse kommen der normalen Milch sehr nahe. Deswegen bieten wir im 2slice an der Waffenplatzstr. 11, 8002 Zürich beides an. Alprosoya haben wir manchmal auch, ist jedoch nicht immer erhältlich und die Isola Bio ist nicht schlechter…:)

  3. Hallo André

    Vielen Dank für deine Antwort. Starbucks ist natürlich nicht gerade mein Favorit, aber wenn ich mal ausserhalb von Zürich bin, bin ich vielleicht froh um deinen Tipp. Und die Milchbar ist natürlich super. Und auf die Barista-Version von Oatly freue ich mich auch schon.

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