Central


central

Bohnen:

  • “Fazenda Nossa Senhora”. Single Origin aus Brasilien. Trocken aufbereitet.

Röster: Stoll Kaffee AG, Zürich

Maschine: Bialetti (Moka Kanne)

Wo: Ankerstrasse 65, Zürich

Bericht:

Meistens wenn ich gezielt ein neues Lokal ansteuere, dann deshalb, weil ich irgendwo vernommen habe, dass dort ein bestimmter Röster zur Kaffeequalität beiträgt oder zumindest eine hochwertige Maschine angeschafft wurde – idealerweise beides. Dieses mal waren die genannten Faktoren aber nur bedingt ausschlaggebend, zudem war die angesteuerte Bar nicht einmal mehr wirklich neu (ich habe es einfach bis anhin noch nie dort hin geschafft): Im Central findet man nämlich keine dieser funkelnden high-end Espressomaschinen im passenden Farbton zum Bartresen. Wenn man einen Kaffee bestellt, dann greift der Barista nicht lässig zum Siebträger, sondern geht hinüber zur Durchreiche und informiert die Küche über die Bestellung. In 99% aller Restaurants und Bars wäre dies vermutlich ein guter Grund, sofort das Weite zu suchen. Nicht aber hier, denn sonst hätte ich das Lokal ja wohl kaum auf dem Radar gehabt. Was wenige Minuten später nämlich aus der Küche gebracht wird, ist ein Silbertablett mit einem Glas Wasser, einem leeren Glas, und einer Moka Kanne – dieser kleine Aluminium-Brüher für die Herdplatte, der vermutlich in abertausenden Haushalten zu finden ist, jedoch selten (nie?) in der Gastronomie. Einen besonders guten Ruf haben diese Dinger ja eigentlich nicht und deshalb war wohl auch hier die Tatsache, dass mit Stoll ein namhafter Röster hinter dem Produkt steht, für meine geweckte Neugier mitverantwortlich. Ich muss an dieser Stelle gleich zugeben, dass ich selber nie Kaffee mit der Moka Kanne gebrüht habe oder irgendwelche nostalgische Kindheitserinnerungen an diese Zubereitungsform hätte. Zudem ist mir auch kein anderes Lokal geläufig, dass in Zürich Kaffee auf diese Weise serviert, weshalb meine Eindrücke also nicht auf Vergleichswerten oder Erfahrung basieren, sondern der reine erste Eindruck eines Neulings sind, der sich sonst eher mit Espresso und Filterkaffee rumschlägt. Die erste Erkenntnis war dann sogleich, dass man diese silberne Kanne besser nirgends anfasst, wo keine Plastikverkleidung zu finden ist, also nur am Griff oder dem Deckelknopf. In den USA würde man diese Manifestation einer potenziellen Schadensersatzklage wohl kaum ohne mehrere Warnhinweise auf den Tisch gestellt bekommen. Aber nach wiederholtem Fluchen und mehreren reflexartigen Rückziehern, haben auch meine ungeschickten Hände ihre Lektion gelernt: Achtung heiss! Das kleine Gläschen lässt sich übrigens mehrmals auffüllen, bzw. wird die “Bialettikanne” auf der Karte auch für zwei Personen bzw. Portionen angepriesen. Geschmacklich fällt erst einmal auf, dass man sich auf ein Trinkerlebnis einlässt, dass weder mit Espresso noch mit Filterkaffee zu vergleichen ist: Weniger Körper als Espresso, keine Crema, aber trotzdem viel intensiver als Filterkaffee. Auch die leichten Bitternoten erinnern mehr an traditionellen Espresso. Die wohl ungewohnteste Komponente ist aber eine leicht säuerliche Note, von der ich glaube, dass sie nur zur Hälfte von der Kaffeesäure kommt, jedoch ebenso von einer leicht “metalligen” Komponente der Aluminiumkanne. Interessant ist jedoch, dass diese erst ungewohnten Eindrücke mit dem Abkühlen des Kaffees ebenfalls in den Hintergrund treten. Sobald der Kaffee nicht mehr brühend heisst ist, empfinde ich den Kaffee als angenehm ausgewogen. Fazit: Die Moka Kanne wird wohl kaum meine neue Lieblingsbrühmethode werden, aber der Mut des Lokals Kaffee auf diese zwar traditionelle aber auch erfrischend innovative Weise zu servieren ist lobenswert! Etwas weniger Mainstream würde nämlich vielen Lokalen der Stadt gut tun. 4 Zürich-Bohnen für die Bar, die mich zwar nicht zum Bialetti-Jünger werden lässt, aber trotzdem ein Trinkerlebnis geschafften hat, dass ich jedem lieblosen Espresso der Stadt vorziehen würde.

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