Espresso zu Hause

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Mit Espresso ist das ja so eine Sache. In der Bar stimmt irgendwie alles, man hat gerade gut gegessen oder macht Kaffeepause und spürt das Verlangen nach einem kurzen Kaffee. Als Gast braucht man sich nicht um die Zubereitung zu kümmern und so plötzlich wie man das Verlangen spürte, ist es auch schon gestillt. Zu Hause ist das natürlich ein ganz anderes Thema. Nach dem gemütlichen Essen muss man nämlich aufstehen und sich selbst um die Zubereitung kümmern, und je nach Zubereitungsart kann sich dieses Ritual derart in die Länge ziehen, dass man unter Umständen nach 20 Minuten zwar mit Espresso in der Hand am Tisch sitzt, aber das tolle Gefühl des stimmigen Essens irgendwie verflogen ist. Dass vor diesem Hintergrund Kapselmaschinen gross im Trend liegen, überrascht eigentlich nicht. Viele Kaffeeliebhaber würden aber wohl lieber auf Kaffee verzichten als sich jemals auf diese teuflische Erfindung einzulassen. Aus rein qualitativer Sicht ist natürlich klar, dass man nur mit professionellem Werkzeug im Espressohimmel landen wird und wer das nötige Kleingeld hat, findet diverse Siebträger für zu Hause, die den grossen Geschwistern aus der Bar ebenbürtig sind. Aber da wären wir dann wieder beim Zubereitungsritual, dass sich mit Reinigung und Mühleeinstellung nur dann wirklich lohnt, wenn man zu Hause mehrere Espresso pro Tag trinkt. Auch mir wurde dieser Aufwand bei aller Liebe für das Handwerk eines Tages zu mühsam, und ich verkaufte meinen Siebträger. Nun gibt es also nur noch Filterkaffee zu Hause. Oder etwa nicht? Natürlich liess mir der Gedanke keine Ruhe, dass es vielleicht doch einen Weg geben muss und so begann ich diverse Experimente mit klassischeren sowie neueren Methoden und möchte hier die ersten Eindrücke einiger Versuche Teilen. In diesem nicht repräsentativen Überblick über alternative Zubereitungsmethoden für zu Hause mit dabei: Die Aeropress (mit Filterdisk Standard von Able Brewing), die Moka (Modell Bialetti Edelstahl für 4 Tassen), und eine Pad-Maschine (Modell Didiesse Frog). Letztere hat mir Salvatore von Catalano Comestibles freundlicherweise zur Verfügung gestellt, mit einigen Pads traditionell italienischem Espresso direkt aus Sizilien. Somit wären wir auch beim Kaffeespektrum angelangt, denn um diversen Vorlieben gerecht zu werden, habe ich sowohl mit eher heller gerösteten Arabicas, wie ich sie gerne trinke, als auch mit Robustas bzw. Arabica-Robusta Blends experimentiert. Zuerst, die Zubereitungsmethoden im Vergleich:espressotest1

Die Aeropress ist eigentlich eher für Filterkaffee bekannt, aber wenn man den Papierfilter durch einen Metallfilter ersetzt und entsprechend fein mahlt, resultiert ebenfalls ein intensives Kaffeegetränk, das dem Espresso sehr nahe kommt. Auf die Crema verzichtet man hierbei zwar und der Shot hat auch mit Metallfilter etwas weniger Körper als ein traditioneller Espresso, aber Abstriche werden wir wie schon erwähnt bei jeder Alternative machen. Mein Rezept; 12-14g Kaffee, fein gemahlen, 35ml Wasser bei ca. 93 Grad, in der invertierten Aeropress kurz umrühren und 30 Sekunden ziehen lassen, pressen. Das geht natürlich auch nicht ruck-zuck, reinigt sich aber deutlich einfacher als eine Siebträger Maschine.

Die Moka wird oft als Espressokocher bezeichnet, aber auch hier ist Crema (je nach Modell) eher nicht Teil des resultierenden Getränks und auch hier kann man streng genommen nicht von einem Espresso sprechen. Für eine schnellere Zubereitung stellt man die Moka besser auf eine verstellbare Campingflamme, auf dem Elektroherd ist die Zubereitung schnell mal eine Geduldsprobe. Rezept nach Empfehlung des Herstellers: Wasser bis zur Markierung, Kaffee locker bis zum Siebrand.

Die Pad-Maschine braucht zwar am meisten Platz in der Küche, aber die eingangs besprochene Bequemlichkeit von Kaffee auf Knopfdruck (Aufwärmzeit ca. 1 Minute) und kaum Reinigungsbedarf sind natürlich schlagkräftige Argumente. Auf der anderen Seite, ist dies die einzige der drei Methoden, bei der man nicht seine eigenen Lieblingsbohnen verwenden kann, sondern sich auf die diversen Anbieter von Pads beschränken muss. Immerhin sind diese weniger markenbindend als Kapseln. Nur bei dieser Methode kann man das Getränk als Espresso im klassischen Sinne identifizieren, Crema inklusive.

Die erste Testrunde diente dem Vergleich der Methoden, wobei die folgenden Kaffees in den Tassen landeten:

  • 1x Aeropress mit Tobi’s Estate Ethiopia Suke Quto (100% Arabica, hell geröstet – der einzige typische „third-wave“ Kaffee im Test)
  • 1x Aeropress mit Rast Kerkei-Coondah Indien (100% Robusta)
  • 1x Moka mit Tobi’s Estate Ethiopia Suke Quto
  • 1x Moka mit Rast Kerkei-Coondah Indien
  • 1x Pad-Maschine Kaffa Wildkaffee Äthiopien (100% Arabica)
  • 1x Pad-Maschine mit Caffè Dei Nobili Miscela Rossa (50% Arabica, 50% Robusta)

Erste Erkenntnisse dabei waren für mich, dass mir die Moka am wenigsten zusagt. Der leicht metallige Geschmack ist bei dem traditionelleren Robustakaffee noch weniger störend als beim säurebetonteren Espresso, aber bis dato habe ich keine Resultate erzielt, die mir in irgend einer Hinsicht Freude bereitet hätten. Die Aeropress scheint mir besonders für helle Espressoröstungen oder gar Filterröstungen spannend, das Resultat sind extrem fruchtige Shots. Doch auch der Robusta liess sich durchaus trinken, wenn man dessen typischen Noten im Espresso gerne mag. Die Pad-Maschine liefert mit beiden Sorten Resultate die durchaus mit dem Kaffee in vielen Restaurants und Bars mithalten können, was einerseits für die Pad-Maschine, aber gleichzeitig auch gegen die Qualität vieler Restaurants und Bars spricht. Denn wer braucht schon einen Barista, wenn es auch per Knopfdruck geht?

In weiteren Runden wollte ich noch ein wenig mit gewissen Parametern spielen, so habe ich zum Beispiel verschiedene Wasser in die Pad-Maschine gefüllt. Am harmonischsten empfand ich die Shots mit Evian Mineralwasser. Bei der Aeropress habe ich noch mit der Dosierung gespielt und mit dem Robusta bei 14g bessere Resultate erzielt, während der Äthiopier besser mit 12g gelang. Interessant ist zudem natürlich noch zu erwähnen, dass es je nach Vorliebe auch Kombinationen der oben genannten Methoden gibt, so lassen sich Pads nicht nur in viele haushaltsübliche Siebträger einlegen, auch Mokas von Bialetti gibt es mit Pad-Adapter. Die Kaffeewahl hängt natürlich in erster Linie stark von der eigenen Geschmackspräferenz ab. Mein Fazit aus diesen drei Methoden wäre, dass wer eher auf fruchtige Espressi nach nordischem Vorbild steht – und auf Crema verzichten kann – mit der Aeropress vermutlich am besten bedient ist. Wer es traditioneller mag, vielleicht sogar mit Zucker, und auch der Nonna aus Italien beim nächsten Besuch einen Espresso servieren möchte, den sie als solchen erkennt, wird wohl mit einer Pad-Maschine und einem entsprechenden Kaffee glücklich werden. Die Moka? Für meinen Geschmack eine Kompromisslösung zwischen Aeropress und Pad, die jedoch nicht unbedingt das beste beider Welten vereint.

Natürlich gibt es noch viele weitere Methoden für zu Hause sowie Varianten der beschriebenen Techniken und eure Erfahrungen würden mich natürlich auch interessieren. Wie macht ihr den „perfekten“ Espresso ohne Siebträger?

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